Vom Olympiasieger zum Bademeister
Mein Name ist Beat Hefti – viele kennen mich aus dem Spitzensport, als Olympiasieger im Bobsport. Heute arbeite ich im Sommer als Bademeister im Freibad Sonnenberg. Die Kombination passt für mich perfekt: Im Winter lebe ich weiterhin meine Leidenschaft für den Bobsport, im Sommer bin ich mitten unter den Menschen im Freibad.
Auch meine Familie hilft mit – meine Frau unterstützt das Team im Restaurant Summertime. Kommt vorbei, geniesst den Sommer im Freibad Sonnenberg. Wir freuen uns über ein kurzes Hallo am Beckenrand.
Chömed verbii – es wird schön!

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Die Schweizer Freibäder wurden in den vergangenen Monaten zum Brennpunkt erklärt. Ausgerechnet ein Wintersportler beweist nun: Es geht auch anders. Besuch in der Sonnenberg-Badi in Herisau.
Renato Schatz (Text), Philip Frowein (Bilder)
Die Badi ist ein Schweizer Kulturgut. Schon in den 1940er Jahren notierte der Schriftsteller Max Frisch in sein Tagebuch: «Sonniges Wetter und viel Volk. Sie schwimmen, springen von den Türmen. Die Rasen sind voll von Menschen, halb nackt und halb bunt, und es ist etwas wie ein wirkliches Fest.» Anlass war die Eröffnung des von Frisch kreierten Freibades, der Letzigraben-Badi in Zürich, wo die Leute noch heute in der Sonne sitzen und im Wasser baden, Pommes und Glace essen, Fangis oder Fussball spielen – wie in der ganzen Schweiz.
Die Badi ist zum innerörtlichen Feriendomizil geworden, einem Dörfchen im Dorf, einem Städtchen in der Stadt – mit eigener kleiner Bevölkerung. Halb nackt sind alle gleich, Arbeitslose wie Akademiker, Junge wie Alte.
Doch das Kulturgut ist gefährdet, so scheint es derzeit fast. In Basel-Stadt kam es im vergangenen Jahr zu Diebstählen und Pöbeleien, Sicherheitspersonal musste aufgeboten werden. Im jurassischen Pruntrut wurde ausländischen Staatsbürgern der Eintritt verwehrt, in Bern löste kürzlich eine Transfrau, die aus dem Frauenbereich verwiesen wurde, eine nationale Debatte aus. «Schweizer Badis im Brennpunkt», titelte der «Blick» vor einem Monat und deutete die Badi als «Abbild der politischen Realität». «Badi-Sterben, Beckenkämpfe, Burkini-Verbot» als Sinnbild für nationale Sorgen wie «strapazierte Staatskassen, kolportierten Dichtestress und die Angst vor dem Fremden».
Das klingt, als entwickle sich unser innerörtliches Feriendomizil zum Entwicklungsland. Sind die Schweizer Badis wirklich in Gefahr?
Der Beat und der Hefti
«Ich nehme das überhaupt nicht so wahr», sagt Beat Hefti, 48, Bademeister im ausserrhodischen Herisau, wo die Badi-Idylle noch immer Realität ist. Willkommen im Sonnenberg-Freibad!
Die Idylle begrüsst einen jeden Morgen auf Tiktok oder Instagram mit einem kurzen Video. Hefti trägt ein rosafarbenes T-Shirt und eine rosafarbene Mütze, steht vor dem Kassenhäuschen und spricht in die Kamera. Jedes Video beginnt mit dem Ausruf «Guete Morge, mitenand, Freibad-Herisau-News» und dem heutigen Datum, als sei er Nachrichtensprecher oder Wetterfrosch. Gewissermassen ist er das auch: Hefti redet von den Wetterprognosen, von den Luft- und Wassertemperaturen, die der Tag bringen soll. «Wiedo ä wunderbars Tägli», verspricht er an diesem Samstagmorgen Anfang Juli mit der Ernsthaftigkeit eines «Tagesschau»-Moderators.
Für die Leute unter zwanzig ist er Beat, einer der bekanntesten Bademeister der Schweiz. Seine Videos schauen bisweilen mehrere tausend Follower. Für die Leute über zwanzig ist Hefti der wohl bekannteste Bobfahrer der Schweiz. Bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi gewann er Gold im Zweierbob.
Er schraubt an der Badi wie am Schlitten
Hefti ist nur einen Kilometer vom Sonnenberg-Freibad entfernt aufgewachsen. Die Badi thront über Herisau, ist umgeben von Wald und Wiesen und damit nicht Teil eines modernen Sportkomplexes mit Hallenbad, Freibad und Sporthalle. Hefti sagt: «Wir fuhren früher nicht in die Ferien, sondern bekamen einfach das Saisonabo für die Badi.»
Das Sonnenberg-Freibad sieht, abgesehen von ein paar Modernisierungen, aus wie in Heftis Kindheit. Freibäder sind Zeitkapseln, Baden, Raketenglace und Fangis lassen sich nicht digitalisieren. Nur die Beckenränder sind nun aus Chromstahl, nicht mehr aus Beton, und an der Stelle einer alten Rutsche in Form eines Drachens stehen jetzt eine «Freifallrutsche» und eine «Breitbahnrutsche».
Er kennt diese Begriffe inzwischen, weiss, dass das Chlorwasser einen pH-Wert von 7,0 haben muss, «denn über 7,4 können sich Algen besser bilden». Neben dem Beckenrand lachen Pensionäre über die weiss gefärbten Haare eines Teenagers. Im grossen Becken ziehen die Erwachsenen ihre Längen, ins kleine knallen Jugendliche Arschbomben. Und oben, auf der Rutschbahn, stauen die Kinder das Wasser, damit sie nachher schneller rutschen können. «Hey, ufhöre! Aberutsche», ruft Hefti. Und grinst.
Hefti hält einen Fuss ins Wasser und sagt: «25 Grad sind perfekt.» Er pröbelt und trickst, um die 25 Grad zu erreichen, verschiebt Wassermassen ins Ersatzbecken und zurück oder deckt die Pools über Nacht mit Blachen zu. Heute kämpft er um die Wassertemperatur, nicht mehr um Hundertstelsekunden.
Die Verantwortung aber ist eine andere: In der Badi muss Hefti für die Sicherheit seiner Mitarbeiter und Gäste sorgen. Zu spüren bekam er das, als sich im Mai ein Badeunfall ereignete und ein zehnjähriger Junge auf der Intensivstation landete. Dem Buben soll es wieder besser gehen, er war laut Hefti auch schon wieder in der Badi zu Gast.
Eher Büezer als Businessman
2019 hat Hefti seine Karriere als Bobfahrer beendet. Danach fiel ihm der Übergang ins normale Berufsleben schwer. Er machte eine Marketingausbildung, arbeitete bei Micarna und anschliessend beim Sportzentrum in Herisau, ehe er die Führung des Sonnenberg-Freibades übernahm – und seine Frau Sheena die Pacht des Restaurants.
Seither entwickeln die beiden das Freibad stetig weiter. Es gibt neue Angebote, Veranstaltungen, einen Hindernisparcours, eine Unterwasserbeleuchtung und zahlreiche Ideen, um den Gästen ein besonderes Erlebnis zu bieten. Dabei profitiert Hefti von grossen Freiheiten und setzt vieles pragmatisch um.
Man muss nur miteinander reden!
Hefti führt über die grosse Liegewiese. Menschen lesen, dösen oder spielen Fussball. Er entdeckt eine Gruppe Jugendlicher mit Unterhosen unter den Badehosen und spricht sie freundlich darauf an. Die Jugendlichen reagieren verständnisvoll.
Für Hefti steht fest: «Wir haben so viele verschiedene Nationen und Sprachen hier drin. Es kann immer wieder zu Missverständnissen kommen. Und dann muss ich vermitteln.» Er setzt auf das Gespräch und gegenseitigen Respekt.
Während des Rundgangs klingelt sein Handy. In der Küche ist eine Sicherung herausgeflogen. Sofort eilt er los und kümmert sich darum.
Bis im Herbst ist er Beat, der Bademeister. Im Winter ist er wieder Hefti, der Bobfahrer, der in St. Moritz und Innsbruck Bob-Events organisiert und Nachwuchsathleten trainiert. Beide Rollen gehören zu seinem Leben.
SRF Aktuell
Dienstag 12. August 2025/ab 18.12 im Video
„Ex‑Bob‑Olympiasieger Beat Hefti, bekannt für seine rasanten Fahrten im Eiskanal, tauscht Schlittschuhe gegen Badehose: Seit diesem Sommer sorgt er in der Badi Herisau für Betrieb – natürlich stilecht im pinken Bademeister-Shirt! Der sympathische Appenzeller empfängt die Badegäste mit einem charmanten ’Guete Morge‘ und begeistert nicht nur vor Ort, sondern auch auf TikTok – mit bis zu über 100 000 Views pro Clip gehört er längst zum viralen Kultfaktor. Und wenn du denkst, ein Olympia-Gold wiegt schwer – wart mal, bis du siehst, wie er täglich über 45 000 Schritte macht, um alles im Griff zu haben! Reich an Ideen, voller Power und mit dem Herz am rechten Fleck – so bringt Hefti frischen Wind in die Badi‑Szene.“
Tele Ostschweiz
Olympiasieger am Beckenrand: Bob-Profi Beat Hefti wird nach Sportkarriere Bademeister
Beat Hefti hat die Bobbahn mit der Rutschbahn getauscht. Der Olympiasieger im Zweierbob hat nach seiner Karriere als Profisportler eine neue Herausforderung als Bademeister angenommen. Trotz der neuen Sommer- statt der Winter-Welt – für den Herisauer hat die neue Tätigkeit Ähnlichkeiten mit seinem Leben als Sportler.
Champions zu Besuch im Freibad Herisau
CHAMPIONS-TREFF IM FREIBAD HERISAU – SPORTGRÖSSEN ZUM ANFASSEN!
Herisau, 20. Juli 2025 – Sonnenschein, Sommerfeeling und sportlicher Glanz: Das Freibad Herisau wurde heute zum Treffpunkt echter Schweizer Sportlegenden! Ab 15 Uhr gaben sich gleich vier nationale Topstars die Ehre – und sorgten für strahlende Gesichter, unvergessliche Erinnerungen und eine ganz besondere Atmosphäre.
Mit dabei waren:
👑 Selina Gasparin, Olympia-Silbermedaillengewinnerin im Biathlon
🎾 Patty Schnyder, ehemalige Tennis-Weltranglisten-Spielerin
🥊 Stefan Angehrn, Boxlegende und Publikumsliebling
🚴♂️ Franco Marvulli, mehrfacher Weltmeister auf der Bahn
Die Besucherinnen und Besucher nutzten die einmalige Gelegenheit für persönliche Begegnungen, Selfies, Autogramme und inspirierende Gespräche mit den Champions. Besonders beliebt: Ein gemeinsames Foto mit den Sportstars – direkt vor Ort ausgedruckt und auf Wunsch gleich signiert!
Die vier Gäste zeigten sich dabei volksnah, charmant und bestens gelaunt – eine echte Bereicherung für den Herisauer Badi-Sommer!
„Solche Events sind das Salz in der Suppe. Wenn man dann noch Idole aus dem Schweizer Sport hautnah erleben darf, ist das ein echtes Highlight.“ – so das Fazit eines begeisterten Badegasts.
Der Besuch der Sportlegenden war nicht nur ein Fest für alle Sportfans, sondern auch ein Zeichen dafür, dass das Freibad Herisau weit mehr ist als nur ein Ort zum Abkühlen – es ist ein Treffpunkt mit Herz, Bewegung und Geschichte. 💪🌞